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Siglinde Kallnbach und die KG Alt-Köllen - Kölnisches Stadtmuseum, Februar 2004


Nebuta-Samurai, Yu-Sa Asamushi, Japan (2002)

Was kommt bildlich heraus, wenn eine Künstlerin sich fotografisch und kulturvergleichend mit dem Thema Karneval beschäftigt? Zu sehen war das im Kölnischen Stadtmuseum (Februar 2004). Der Anlass: das "jecke Jubiläum" der Karnevalsgesellschaft Alt Köllen vun 1883, die in dieser Session 11 mal 11 Jahre alt wurde. Neben alten Orden, Holzpritschen, Elferratsmützen, Fahnenwimpeln, historischen Liederheften, einem Fotoalbum mit Bildern der Rosenmontagszüge von 1953-55 und anderen kostbaren Erinnerungsstücken aus der 121-jährigen Traditionsgeschichte des Vereins, standen im Zentrum der Schau zahlreiche großformatige Fotos von Siglinde Kallnbach, welche die Kölner Künstlerin von der "Volkssitzung" der KG Alt-Köllen, der Teilnahme der Karnevalisten am Rosenmontagszug und bei verschiedenen anderen Straßenkarnevals-anlässen gemacht hat.

Im Blick ist alles, was den Karneval auszeichnet: Farbenpracht und Bewegtheit, Ausgelassenheit, Witz, der Stolz der Honoratioren und vor allem die Lust an der Maskierung und Verwandlung. Dass diese ein kulturübergreifendes Phänomen darstellt, zeigen Objekte und Fotos, mit denen Kallnbach das Maskentreiben in Japan dokumentiert. Die Künstlerin hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach in Japan aufgehalten und in den dortigen Ritualmasken und Umzügen zum Drachenfest durchaus zahlreiche Parallelen zum Kölner Karneval aufgespürt.


Ausstellungsansicht (Ausschnitt)

Im Zusammenhang der Ausstellung konnte Siglinde Kallnbach die KG Alt-Köllen außerdem für ihr Projekt "a performancelife" gewinnen, ein Solidaritätsprojekt für an Krebs erkrankte Menschen. "Karneval und Krebshilfe sind eine gute Kombination", sagt Kallnbach, "denn das, wofür der originäre Karneval steht, und das, was Karneval bringt - nämlich Lebensfreude, Gemeinschaftserfahrung und Entspannung - ist genauso wie das Lachen eine gute Medizin und fördert das Wohlbefinden bei Gesunden und Kranken gleichermaßen". Und das auf ihre spezifische Weise auch die Kunst überraschende Behandlungserfolge erziehlt, versteht sich für sie ohnehin von selbst.
Jürgen Kisters

Tomonari Maeda und Shaozo Shimamoto

auf der Volkssitzung der KG Alt-Köllen

 

Ausschnitt aus einer Installation